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Observability: Warum Monitoring allein nicht mehr reicht

·7 Min. Lesezeit

Monitoring vs. Observability

**Monitoring** beantwortet die Frage: "Funktioniert mein System?" – Ja oder Nein, CPU-Last, Verfügbarkeit, Fehlerrate.

**Observability** beantwortet die Frage: "Warum funktioniert mein System nicht?" – und zwar auch bei Problemen, die Sie **vorher nicht kannten**.

Der entscheidende Unterschied

Monitoring setzt voraus, dass Sie wissen, **wonach Sie suchen**. Sie definieren Schwellwerte und Alarme für bekannte Probleme. Observability hingegen ermöglicht es Ihnen, **unbekannte Probleme** zu diagnostizieren, ohne vorher wissen zu müssen, was schief gehen könnte.

**Analogie:** Monitoring ist wie ein Armaturenbrett im Auto – es zeigt Temperatur, Tankfüllung und Drehzahl. Observability ist wie ein erfahrener Mechaniker, der anhand der Symptome die Ursache findet, auch wenn kein Warnlicht leuchtet.

Die drei Säulen der Observability

1. Logs

Strukturierte Aufzeichnungen von Ereignissen. Moderne Logging-Systeme verwenden **strukturierte Logs** (JSON) statt unstrukturiertem Text, was automatisierte Analyse ermöglicht.

Tools:: Elasticsearch/OpenSearch, Loki, Datadog Logs

2. Metriken

Numerische Zeitreihendaten: Anfragen pro Sekunde, Antwortzeiten, Fehlerraten, CPU-Nutzung. Metriken sind **effizient zu speichern** und eignen sich hervorragend für Dashboards und Alarme.

Tools:: Prometheus, Grafana, InfluxDB, Datadog

3. Traces

Verfolgen den **Weg einer einzelnen Anfrage** durch das gesamte System – von der Benutzerinteraktion über APIs und Microservices bis zur Datenbank. Unverzichtbar für verteilte Systeme.

Tools:: Jaeger, Zipkin, Grafana Tempo, Datadog APM

Das Zusammenspiel

Die wahre Kraft entfaltet Observability, wenn alle drei Säulen **miteinander verknüpft** sind:

1. Ein **Alert** (Metrik) zeigt: Antwortzeiten steigen

2. Ein **Trace** zeigt: Der Datenbankzugriff im Bestellservice ist langsam

3. Die **Logs** des Bestellservices zeigen: Eine SQL-Query hat keinen Index und macht einen Full Table Scan

OpenTelemetry: Der neue Standard

**OpenTelemetry (OTel)** hat sich als offener Standard für Observability-Daten etabliert. Vorteile:

Vendor-neutral:: Keine Bindung an einen bestimmten Anbieter
Einheitliche API:: Eine Instrumentierung für Logs, Metriken und Traces
Breite Unterstützung:: Bibliotheken für alle gängigen Programmiersprachen
Zukunftssicher:: Von der CNCF als Standard anerkannt

Observability in der Praxis

Was Sie messen sollten

Die vier **Golden Signals** nach Google SRE:

| Signal | Beschreibung | Beispiel |

|---|---|---|

| Latenz | Antwortzeit der Anfragen | 95. Perzentil der API-Antwortzeit |

| Traffic | Menge der Anfragen | Requests pro Sekunde |

| Fehlerrate | Anteil fehlerhafter Anfragen | HTTP 5xx / Gesamt |

| Sättigung | Auslastung der Ressourcen | CPU, Memory, Disk I/O |

Ein pragmatischer Stack

Für KMU empfehlen wir einen Stack, der **Open Source und kosteneffizient** ist:

Grafana: als Dashboard und Alerting-Oberfläche
Prometheus: für Metriken
Loki: für Logs
Tempo: für Traces
OpenTelemetry: als einheitliche Instrumentierung

Fazit

In einer Welt verteilter Microservices und Cloud-Infrastruktur reicht klassisches Monitoring nicht mehr aus. **Observability ist die Grundlage**, um komplexe Systeme zu verstehen, Probleme schnell zu diagnostizieren und die Zuverlässigkeit Ihrer Software sicherzustellen.

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