Der Hype um Low-Code und No-Code
Die Versprechen klingen verlockend: **Software ohne Programmieren bauen**, in Tagen statt Monaten, zu einem Bruchteil der Kosten. Plattformen wie Microsoft Power Platform, Retool, Bubble oder Airtable ermöglichen es auch Nicht-Entwicklern, Anwendungen zu erstellen.
Doch wie bei jedem Trend lohnt sich ein differenzierter Blick.
Was ist der Unterschied?
Wo Low-Code/No-Code glänzt
Interne Tools und Dashboards
**Perfekter Use Case.** Ein Vertriebsteam braucht ein Dashboard zur Pipeline-Übersicht? Mit Retool oder Power Apps ist das in wenigen Stunden gebaut.
Prototyping und Validierung
Sie wollen eine Idee testen, bevor Sie investieren? Ein No-Code-Prototyp liefert **schnelles Feedback** vom Markt.
Workflow-Automatisierung
Daten zwischen Systemen synchronisieren, Genehmigungsprozesse digitalisieren, Benachrichtigungen auslösen – Tools wie **n8n, Make oder Power Automate** erledigen das ohne Programmierung.
Einfache CRUD-Anwendungen
Daten erfassen, anzeigen, bearbeiten, löschen – das Standardmuster vieler Geschäftsanwendungen lässt sich hervorragend mit Low-Code abbilden.
**Praxis-Tipp:** In vielen Unternehmen entstehen 60–70 % der internen Anforderungen aus genau diesen Kategorien. Low-Code kann hier enorm viel Entwicklungskapazität freisetzen.
Wo die Grenzen liegen
| Anforderung | Low-Code/No-Code | Individuelle Entwicklung |
|---|---|---|
| Einfache Formulare | Ideal | Overkill |
| Komplexe Business-Logik | Problematisch | Passend |
| Performance-kritische Systeme | Nicht geeignet | Notwendig |
| Integration proprietärer APIs | Eingeschränkt | Flexibel |
| Skalierung auf 10.000+ Nutzer | Oft limitiert | Unbegrenzt |
| Individuelle UI/UX | Stark eingeschränkt | Volle Freiheit |
Die versteckten Risiken
Unsere Empfehlung
**Low-Code und individuelle Entwicklung schließen sich nicht aus.** Die klügste Strategie:
1. **Low-Code für interne Tools** und schnelle Prototypen
2. **Individuelle Entwicklung** für kundenorientierte Produkte und komplexe Geschäftslogik
3. **APIs als Brücke** zwischen beiden Welten
Fazit
Low-Code und No-Code sind **mächtige Werkzeuge im richtigen Kontext**. Sie ersetzen keine professionelle Softwareentwicklung, aber sie ergänzen sie hervorragend. Die Kunst liegt darin, für jede Anforderung das richtige Werkzeug zu wählen.